Das Leben Kultur

Die Mayerin: Warum lachende Schmetterlinge (manchmal) die beste Medizin sind

Ihre Konkurrenten sind Andreas Gabalier und DJ Ötzi, ihr Comeback stimmte sie ausgerechnet bei ihrer Hochzeit an – und wie ein Mann sein muss, hat uns die Sängerin auch gleich verraten. TSCHÄK hat „Die Mayerin“ in Wimpassing besucht

Outdoor-Küche, Outdoor-Wohnzimmer, Outdoor-Leben. „Die Mayerin“ mag die Natur. Und wer mit ihr erst einmal den versteckt gelegenen Leithastrand besucht hat, an dem sie tagtäglich (eis-)baden geht, versteht das.

Wie man überhaupt vieles zu verstehen glaubt, wenn man sich mit Mag. Ulrike Maria Mayer, im Zweitberuf Psychologin, unterhält – sogar, dass eines ihrer Alben ähnlich viel Heilkraft hat wie eine etwa gleich lange 50-Minuten-Therapie.

Es war ein angenehmes Gespräch mit einer überaus sympathischen Frau, die heuer zum zweiten Mal den wichtigsten österreichischen Musikpreis, den Amadeus, gewinnen will. Und deshalb gönnen wir uns gerne einen Hauch Leithaberg-Patriotismus: Wir drücken ihr ganz fest die Daumen.

Andreas Gabalier, DJ Ötzi und Andy Borg, dazu Melissa Naschenweng – vier ganz schöne Kapazunder gegen die du dich durchsetzen musst, um den Amadeus zu gewinnen. Deine Chancen?

Die Chancen sind schon da. Ich habe 2019 schon einmal einen Amadeus mit heimgenommen und da waren auch Andreas Gabalier und andere Größen nominiert. Es kommt nicht immer auf die Größe an. Es zählt die Message. Mein persönlicher Wahlwerbespruch zum Amadeus lautet: „Qualität statt Quantität. Botschaft statt Zeilenfüller. Pur statt Porno.“ 

Pur statt Porno? Was soll das heißen?

Damit meine ich, dass ich mich – als Frau in der Musikbranche – bewusst gegen Rollenklischees ausspreche, die wir seit Jahrhunderten hinter uns haben sollten. Ich weigere mich auch, diese zu bedienen. 

Die Mayerin im Interview – hier gibt es das Video zum Gespräch

Du bist in der Kategorie Schlager/Volksmusik nominiert. Ist das die richtige oder die falsche Kategorie. Oder bräuchte es überhaupt eine neue?

Es mutet an, als wäre es die falsche. Denn Menschen, die meine Musik kennen, würden sie nie als Schlager bezeichnen, sondern als Dialektpop oder neuen Austropop. Nachdem in dieser Kategorie aber alle Acts zusammengefasst werden, die regionalen Bezug haben, ist es an sich schon richtig. Ich laufe aktuell mit 13 verschiedenen Songs österreichweit im Regionalradio. Es tut manchmal ein bisserl weh, weil der Schlager negativ behaftet ist, als uncool und oberflächlich gilt. Ich sehe mich aber als Künstlerin, die in die Tiefe geht. Die ihre Songs selber schreibt, die ihre Texte selber schreibt. 

Wenn wir in deine Vergangenheit schauen, sehen wir eine hübsch verdreckte junge Frau mit roten Haaren und schwarzem Klebeband über dem Busen. Du hast ausgesehen wie ein Punk, war das damals ernst gemeint?

Es war der Abschluss meiner „Pubertät“. Ich bin mit BandWG erwachsen geworden. Ich habe als Jugendliche nie rebelliert. Ich war immer das funktionierende Mäderl. Als Frontfrau meiner Band bin ich zum ersten Mal ausgebrochen. Ich habe aber schnell bemerkt, dass ich diese Coolness, die ich von mir verlangt habe, nicht halten konnte. Ich bin nicht cool, ich bin herzlich. 

Hast du als rebellierender Punk in Wimpassing gelebt?

Nein. Ich  bin als Uli aufgewachsen, heiße aber Ulrike Maria und habe mir in der Zeit von BandWG den Spitznamen Mia gegeben, von Maria. Es war ganz spannend, weil ich mir als Mia von BandWG Dinge zugetraut habe, die die Uli aus Wimpassing nie gemacht hätte … einen Fallschirmsprung zum Beispiel. 

Wann hast du denn beschlossen, die Mia in Pension zu schicken?

Das war 2011, als ich mit dem Psychologiestudium fertig war. Ich habe auf einmal den Drang verspürt, etwas Bodenständiges zu machen und Geld zu verdienen – etwas, das Zukunft hat und Sicherheit bietet.

Woher ist dieser Drang gekommen?

Ich glaube, weil ich einfach etwas mit meinem Studium machen wollte und auch die Psychologin einen großen Anteil in mir hat – das war schon als Kind so. Und zum anderen, weil ich zum damaligen Zeitpunkt irrsinnig frustriert war, wie die Musikwelt läuft.

Erklär uns doch bitte, wie das ist, wenn man eine Psychologin in sich trägt.

Wenn man schon als Kind eine Psychologin in sich trägt, hört man sich schon als Kind die Probleme der Freundinnen an und weiß halt dann irgendwelche guten Sachen drauf zu sagen. Mich hat das schon immer interessiert und fasziniert.

Du hast 2011, in deinem Songcontest-Jahr, auch dein Studium abgeschlossen. Heute hast du eine eigene Praxis. Was erwartet jemand, der zu dir kommt?

Wenn jemand zu mir kommt, dann erwartet ihn eine herzliche Psychologin, die sehr zielorientiert arbeitet und der es in erster Linie darum geht, dass dieser Mensch draufkommt, welches Potenzial in ihm schlummert und ihn dann begleitet, es zu leben. 

Du hast auf deiner Hochzeit dein Comeback gefeiert.

(lacht) Ja. Ich habe auf meiner Hochzeit mein Comeback gefeiert, ohne dass ich wusste, dass es der Beginn einer wundervollen zweiten Karriere sein würde. Ich habe meinem Mann zur Hochzeit einen Song geschrieben, das war „Zwischen Himmel und Erden“ und den habe ich ihm dann bei der Hochzeit vorgesungen.

Das Hochzeitslied „Zwischen Himmel und Erden“, der Mann im Video ist ihr Mann Roland

Wie muss denn ein Mann sein, damit du ihn besingst?

Er ist ein Abenteurer. Er ist ein Lebensretter. Und er ist der Fels in der Brandung.

Wie hast du es geschafft, das Lied bis zur Hochzeit geheim zu halten?

Das war kein Problem. Die Challenge war eher, dass ich beim Singen nicht zu weinen beginne. Ich war davor extra bei meiner Energetikerin, um eine Technik zu entwickeln, damit ich es schaffe, das Lied bis zum Ende durchzusingen. Ich habe dann mit meinem inneren Kind, mit der „kleinen Uli“, einen Vertrag geschlossen: „Weinen darfst du, aber erst zum Schluss, bei den letzten zwei Zeilen.“ Das hat auf die Sekunde genau funktioniert.

Wo hast du denn deinen Mann gefunden?

In Wimpassing an der Leitha. Ich bin schon als Mädel auf ihn geflogen. Und irgendwann, Jahre später, 2011, habe ich ihn über Facebook angeschrieben, wir sind auf einen Kaffee gegangen und die Dinge nahmen ihren Lauf.

2011 war offenbar in jeder Hinsicht ein entscheidendes Jahr.

Ja. Auf jeden Fall.

Seit deiner Hochzeit heißt du auch nicht mehr Koller, Mia Koller, sondern nennst dich „Die Mayerin“. Nennen dich die Wimpassinger wirklich so oder ist das ein Künstlernamen, den du dir verpasst hast?

Mich hat nach der Hochzeit tatsächlich ein Freund begrüßt mit „Servas, Mayerin“. Und als dann die Dinge musikalisch ihren Lauf nahmen, habe ich mir gedacht, das ist ein richtig schöner Künstlername.

Du hast 2018 dein erstes Album Sternschnuppen veröffentlicht und bist damit direkt in den Charts gelandet …

Ich bin sehr demütig meinem Erfolg gegenüber, es war eine Überraschung, dass das so hoch eingestiegen ist.

Kleiner Schnitt, weit zurück: Wie hat das mit dem Singen begonnen?

Ich habe schon als Kind irrsinnig gerne gesungen, ich war dann in den Ferien auf Musical-Seminaren, ich wollte immer singen und auf einer Bühne stehen. Ich singe, wie ich singe, da ist die Emotion am allerwichtigsten und weniger die Technik.

Wann schreibst du deine Lieder?

Immer, wenn mich die Muse küsst. Wenn mir ein bestimmtes Wort taugt, baue ich eine Welt aus Gefühlen drum herum, erzähle eine Geschichte. Meistens meine eigene. Die Musik entsteht dann gleichzeitig oder davor oder danach.

Schreibst du am Piano, das im Haus steht?

Nein, ich treffe mich immer mit meinem Gitarristen oder mit meinen Produzenten, die beide meine BandWG-Kollegen waren.

Wann weißt du, dass ein Lied fertig ist?

Das spürt man. Meistens fehlt noch eine Textzeile, dann überlegt man tagelang, wie diese eine Textzeile das Ganze komplettieren kann.

Was sagt denn die Psychologin Mag. Ulrike Mayer zu deinen Liedern?

Die findet das großartig, weil sie sagt, dass die Menschen entweder zu ihr in die Praxis kommen sollen oder sie hören sich fünfzig Minuten lang ihr Album an, das hat den gleichen Effekt.

Die Mayerin singt „Tanzen im Regen“, hier lachen auch die Schmetterlinge

Was für eine Heilkraft haben denn Zeilen wie, „Kannst du ganz still sein und Schmetterlinge lachen hören?“, „Ich steh mit beiden Beinen im Leben, doch ich will schweben“ oder „Wir haben so viele Wunden und sind trotzdem wundervoll“?

Ich möchte bestärken, ich will niemanden melancholisch machen, es geht immer darum, ihn energetisch aufzurichten und das gelingt ganz gut, wenn man sich darauf einlässt.

Wir leiten den Countdown ein, es gibt noch fünf Fragen. Bist du lieber lustig oder sexy?

Lustig.

Warum gehst du eisschwimmen?

Weil es mir körperlich und geistig unglaublich gut tut.

Auf deiner Website verkaufst du auch Wunderarmbänder. Welche Wunder darf man sich davon erwarten?

Da sind Kraftsteinchen drauf und die stehen für Leichtigkeit und Mut.

Dein bestes Lied?

Indigo.

Stellen wir uns einmal vor, es wäre dunkle Nacht und du wärst zur Leitha gegangen, um dort zu schwimmen, liegst jetzt am Ufer und eine Sternschnuppe fliegt vorbei. Was würdest du dir wünschen?

Ewige Gesundheit, und wahrscheinlich würd ich mir wünschen, dass ich nie sterbe.

Ich leg’ noch zwei drauf. Zum Amadeus: Wie geht es aus?

Ich denke mir: Die optimale Lösung soll geschehen und egal wie es ausgeht, ist es die optimale Lösung für mich.

Aber das ist jetzt eine bisserl feig auch, diese Antwort.

Na sicher tät ich gerne gewinnen. (lacht)

Die Mayerin, Mag. Ulrike Maria Mayer, 36, lebt mit ihrem Mann Roland in Wimpassing, sie hat zwei Töchter (8 und 7 Jahre alt) und einen Stiefsohn. Aktuell isst sie am liebsten selbst gemachte Holzofen-Pizza, sie mag Neuseeland und Stockholm und Leonardo DiCaprio in „Romeo und Julia“.

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