Das Leben Kultur

Hit-Schreiberin Tamara Olorga: «Bei Josh flutscht beim Reden die Melodie mit»

Für ihre Songs hat sie Gold und Platin erhalten, aktuell arbeitet sie mit Josh und wenn sie von Songs träumt, kommen 1.000 Bläser ins Spiel. Die Mannersdorferin Tamara Olorga, 32, lebt heute als erfolgreiche Songwriterin in Berlin. TSCHÄK hat mit ihr gesprochen

Von Bruck nach Berlin – was macht den Unterschied?

Berlin ist ein guter Nährboden zum Musikmachen und zum Schreiben, weil viele, viele Musikproduzenten in Berlin leben. In Bruck gibt es auch coole Musiker und Leute, mit denen man musizieren kann, aber über die Jahre hat es mich nach Berlin verschlagen, weil ich in Mannheim an der Popakademie studiert habe und alle meine Kollegen nach dem Studium nach Berlin gezogen sind. Da habe ich mir gesagt, ok, dann ziehe ich mit.

War‘s notwendig oder hast du einfach Lust auf Berlin gehabt?

Das hat sich so ergeben, weil ich seit zehn Jahren bei einem Verlag als Exklusivautorin bin. Deshalb war ich schon, bevor ich hierhergezogen bin, öfters in Berlin. Und dann hat es sich gut angefühlt, nach Berlin zu kommen.

Hast du dich bewusst dafür entschieden, Songwriterin zu werden?

Das ist passiert.

Wie passiert einem so etwas?

Das hat auch mit meinem Verlag zu tun. Die haben vor fast zehn Jahren einen Song von mir im Radio gehört, das war damals die Eurovision Songcontest Pre-Selection auf Ö3. Darauf hat mich der Chef angeschrieben, so, hey, hättest du nicht Lust, mit uns zu quatschen und Songwriterin zu sein? Und da habe ich erst rausgefunden, dass es so etwas wie eine Songwriting-Welt gibt, im Hintergrund, für Künstler, die diese Lieder auf der Bühne präsentieren. Ich bin reingerutscht und habe dann gecheckt, was ich machen muss, nämlich viele Songs schreiben.

Du bist mittlerweile sehr erfolgreich, aber was macht dich zu einer guten Songwriterin?

(denkt lange nach) Vielleicht … Einfühlsamkeit. Mir ist es wichtig, jeden Künstler ernst zu nehmen, dass der seine Aussage rüberbringt, es geht weniger um mich. Mir ist wichtig, dass der Künstler gut dasteht.

Hier gibt es das Interview zum Ansehen

Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Es gibt die eine Möglichkeit, dass man einen Künstler gar nicht trifft. Dann bekomme ich eine E-Mail von meinem Verlag, dass der oder der Künstler gerade Songs sucht, da heißt es dann: „Kannst du Songs schreiben, die in Richtung Sommerhit gehen?“ Manche Künstler schreiben mir, weil sie einen Song von mir im Radio gehört haben. Oder – und da kommt wieder der Verlag ins Spiel – ich werde in Sessions mit den Künstlern geschickt. So habe ich den Josh kennengelernt, „ah, du bist der Cordula-Grün-Typ“.

Wie darf man sich deine Arbeit vorstellen? Gehst du in der Früh ins Büro und beschließt, ein Lied wie „Mut und Sterne“ zu schreiben?

Ja, tatsächlich so. Ich weiß ungefähr, was gebraucht wird und für wen ich schreiben soll. Und dann setz ich mich hin und überlege, in welche Richtung es heute gehen könnte.

Was kommt zuerst – Text oder Melodie?

Ganz unterschiedlich. Bei Josh flutscht beim Reden die Melodie mit, weil wenn man etwas sagt und es auch meint, hat man auch schon Melodie drin.

Tamara Olorga über ihre Zusammenarbeit mit Josh

Wie viele Lieder hast du geschrieben?

Wahrscheinlich 800, 900, ungefähr.

Und du hast keine Angst, dass dir die Inspiration ausgeht?

Es kommt in Schüben, aber generell habe ich keine Angst, es gibt auch immer noch andere Leute, man ist nicht allein, irgendwer hat immer eine Idee.

Schleicht sich manchmal auch Routine ein?

Ja, voll. Corona ist für mich Zeit, ein bisschen wegzugehen von der Routine. Vor Corona war ich immer unterwegs, irgendwo auf der Welt am Musikmachen, und das in einem Tempo, wo ich an meiner Grenze war. Ich lebe jeden Tag aus dem Koffer, schreibe jeden Tag einen anderen Song mit anderen Leuten, voll cool, aber ich war mal an einem Punkt, wo ich gesagt hab, ich kann jetzt keinen Schlager mehr schreiben … 

Weil du gerade Schlager gesagt hast: Du hast mit den Grubertalern in Österreich mit einem Schlageralbum Gold geholt. Bist du darauf stolz oder reagiert man mit professioneller Gelassenheit?

Ich bin auf jeden Fall stolz. Da werden dann die Früchte der Arbeit sichtbar. Tatsächlich kommt nur einer von 15 Songs raus und nur einer von 100 ist dann Gold.

Tamara Olorga über den Lohn der Mühen

Weißt du, wann ein Song Hitpotenzial hat?

Nein, ich lieg ganz oft ganz daneben. 

Tamara Olorga: «Bei meinem ersten Konzert war ich supernervös»

Zurück zu deinen Anfängen. Erinnerst du dich noch an dein erstes Konzert?

(denkt nach) War es das mit dem Chrisi (Christoph Amelin, Kopf von „Amerling“) oder mit dieser Metal-Band?

Nehmen wir einmal an, es war das mit dem Chrisi. Woran erinnerst du dich?

Ich war supernervös. Ich kann mich an Ultrapanik erinnern, ich war voll hibbelig. Die ersten Töne von einem Konzert habe ich übrigens noch nie richtig gesungen, weil viel zu viel Anspannung drinnen war.

Es war  zu diesem Zeitpunkt nicht dein Ziel, professionell Musik zu machen?

Daran habe ich nie gedacht. Ich habe gedacht, ich werde Lehrerin.

Hast du deine Entscheidung jemals bereut?

Bisher noch nicht.

Ist Musik für dich Kunst oder Geschäft?

Die Musik ist immer Kunst, es ist aber natürlich auch ein boomendes Geschäft, es wird so viel Musik gehört wie noch nie.

Auf diese Idee wäre ich nicht gekommen, ich hätte gemeint, es wird so viel Musik nicht bezahlt wie noch nie.

Ja, das auch.

Bereust du es nicht, dass du nicht selbst auf der Bühne stehst?

(schüttelt den Kopf) Nö, ich habe keinen Bock auf den Beruf des Interpreten und immer die gleichen Songs zu singen. Ich habe bemerkt, dass ich, wenn ich einen Song zehnmal auf der Bühne gespielt habe, durch damit bin. Ihn noch hundertmal zu spielen, geht für mich gar nicht.

Dein bester Song bis jetzt?

Ich habe phasenweise Lieblingssongs. Jetzt gerade ist es einer, der gerade aufgenommen wird. Der ist am 1. Jänner entstanden, da habe ich nicht lange nachgedacht, der ist einfach so rausgeflutscht. Aber ich glaube nicht, dass es einen besten Song gibt. Der im Moment am besten laufende Song ist der mit Josh, „Wo bist du?“.

«Wo bist du?» – Hier singt Josh

Kommt es vor, dass du in der Nacht aufwachst und dir denkst, grandiose Idee?

Tatsächlich träume ich öfter von Songs und wenn ich aufwache, nehme ich das Handy und singe ihn sofort rein.

Wie klingst du im Traum?

Ich weiß gar nicht, ob ich diese Songs singe. Einmal war es eine Opernsängerin, die gesungen hat. Einmal war es ein Fußballstadion mit 1.000 Bläsern, die etwas in die Richtung von „Die Schöne und das Biest“ gespielt haben. Nein, ich singe die Songs im Traum gar nicht selber.

Tamara Olorga, 32, ist in Mannersdorf am Leithagebirge aufgewachsen. Sie hat in Mannheim an der Popakademie studiert und ihre Ausbildung mit einem Bachelor abgeschlossen. Heute lebt sie als Exklusivautorin für Schedler Music mit ihrem Freund in Berlin. 2019 wurde sie mit dem Deutschen Filmmusikpreis für den «Besten Song im Film» ausgezeichnet.

Hier ist der ausgezeichnete Song «Komm zurück» zu hören.

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