Genießen Trinken

Wein von Leo Sommer jun.: «Im Rückaroma verhaucht dieser Veltliner in einem ätherischen Finish»

«Wie eine Seifenblase, aus Salzzitrone und etwas Kletzenbirne geformt, verschwinden die komplexen Eindrücke ganz unmerklich.» Wenn unsere Freunde vom Fiata Weine verkosten, liest sich das wie eine Liebeserklärung. Wir staunen über einen Besuch bei Leo Sommer in Donnerskirchen

Grüner Veltliner Klassik © Weingut Sommer


Weißwein vom Leithaberg – das bedeutet für viele Kenner nahezu automatisch Burgunder-Sorten. Vor allem der Chardonnay hat sich in den kalkigen Lagen etabliert, wird es zu heiß und damit der Wein zu opulent, wird mit Weißburgunder verschnitten – und das Beste aus zwei Welten in die Flasche gebracht. Doch dann wäre bei den weißen Sorten der DAC-Region noch eine Traube im Portfolio, die man gerne übersieht. Beziehungsweise lieber „von woanders“ trinkt. Dass der Grüne Veltliner hier ebenso würzig gedeihen kann wie in den Nebentälern der Donau lernt man erst beim Verkosten.

Leo Sommer, Sohn des gleichnamigen Donnerskirchner Winzers, hat nunmehr eine Art Treppe errichtet, auf der man zu der oben angeführten Erkenntnis in Sachen «Veltliner nationale» kommen kann. Denn schon Sommer senior pflegte den Veltliner, der hier einen ungemein trinkanimierenden Wein namens «Bergweingarten M» ergab. Sein «Pfefferl» hätte man in Blindtests dem Wagram oder dem Weinviertel zugeschlagen, der Hochburg der Sorte.

Die schmelzigere Variante liefert der «Leithaberg DAC», der mit Melone statt Apfel prunkt und vor allem mehr von der Salzigkeit aufblitzen lässt, die Sommers Lagen mittlerweile im fortgeschrittenen Alter der Pflanzungen (und auf besten Böden) zeigen. Und wo es einen Einstieg zu den fünf Sorten-Abfüllungen gibt – der heißt «Classic» bei Sommer – steht natürlich auch oben an der Treppe ein Wein.

Ihn haben wir blind verkostet in der berühmt-berüchtigten Morgen-Runde. Und es wurde ein würdiger Wein, um das Konzept Rätselwein wieder „hochzufahren“, wie heute alle Welt sagt. Auch, weil es nicht viel von dieser Einzelfass-Füllung gibt. Und weil er ein herrlicher Wein ist. Doch davon später. Erst einmal geht es um Herkunft. Denn die zeigt dieser Grüne Veltliner deutlich: Dort, wo es wieder steiler wird am Kirschblütenweg zwischen Donnerskirchen und Purbach, kommt die Einzellage Halser ins Blickfeld.

Es ist ein karger Muschelkalk-Boden, aber voller würzender Kraft, die sich in den Weinen am Leithaberg herauskitzeln lässt.

Weinkenner Roland Graf über die besondere Lage

Das kommt auch in hochreifen Jahrgängen wie 2017 den Weinen zugute. Der spontan vergorene Grüne Veltliner der Sommers wurde im großen Holzfass gereift, die 13,5 % Alkohol sind hier von feinen Noten begleitet, die man nicht anders denn als „Bodenton“ bezeichnen kann.

Leo Sommer im Weingarten mit Blick auf den Neusiedler See © Weingut Sommer

In diesem Fall lässt sich am 2017er „Ried Halser“ etwa die in Kost-Notizen gerne erwähnte Kräuterwürze auch festmachen: Frische Petersilie und etwas Koriander-Grün treffen aufeinander. Die Vielschichtigkeit, die in der Nase gemeinhin nur ältere Rebanlagen erbringen, ist hier beachtlich. Statt den üblichen Veltliner-Düften Apfel und Zitrusfrucht, vielleicht noch Marille, findet sich hier ein ausgeprägter Touch Papiernuss, aber auch Butterkekse und erst danach etwas Apfel. Im Falle des „Halser“ ist es aber weniger die frische Frucht, als die Schale eines reifen Apferls, die man riecht. „Hefewürzig“ nennt es der Winzer selbst und auch das hat Platz in diesem überreichen Duftstrauß.

Der Gaumen beginnt ebenfalls mit einigen Eindrücken zugleich. Da wäre einmal die vollmundige Art, die in der Blindverkostung auch an Burgunder-Sorten (Chardonnay wurde genannt) denken lässt. In jedem Fall ist ein Quäntchen Honig zu merken, aber auch eine saftige Honigmelone, die für ganz zarte Fruchtsüße sorgt. Doch wie mit einem Wischer auf dem Handy zeigt der Leithaberger Weißwein dann plötzlich sein anderes Gesicht.

Auf die breiten Schultern, die man anfangs zu sehen meint, folgt eine überaus filigrane Würze. Ihr gehört ab dem mittleren Gaumen die Bühne. Etwas herbe Noten, die zusammen mit der nachklingenden Frucht an Rhabarber erinnern, werden von einer erneut auffrischenden Würzigkeit begleitet. Was anfangs an Kräuter gemahnte, wird nun immer salziger – im Rückaroma verhaucht dieser Veltliner fast in einem ätherischen Finish. Wie eine Seifenblase, aus Salzzitrone und etwas Kletzenbirne geformt, verschwinden die komplexen Eindrücke ganz unmerklich. Aber schließlich befinden wir uns auch am anderen Ende vom „easy drinking“ Veltliner.

Text: Roland Graf

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: